Wagensass Exkursion

Bei einer vom Forstbetrieb Schnaittenbach und dem TV-Lauftreff veranstalteten Exkursion in die Obere Wagensass konnten der stellv. Leiter des Forstbetriebs, Klaus Bichlmaier, und der Leiter des TV-Lauftreffs, Rainer Koch, ca. 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßen. Herrn Bichlmaier standen dabei Herr Arnold von der Forsteinrichtungsinventur, Herr Weißmann als der für die Wagensass zuständige Revierförster und Herr Fäth als Praktikant zur Seite. Zu Beginn erklärte Herr Bichlmaier das Motto der Bayerischen Staatsforsten „Nachhaltig Wirtschaften“. Dies bedeute, daß viele Bereiche in der Balance gehalten werden müssen. Zum einen soll der Wald vorbildlich gepflegt werden – Schutz der Lebensräume aller dort vorkommenden Tier- und Pflanzenarten inklusive. Weiterhin ist der Wald für die Menschen da, wie z. B. die Obere Wagensass  als Spielplatz für Kinder, „Sportgelände“, Naherholungsgebiet und als Arbeitsplatz im ländlichen Raum und schließlich sollen die Bayerischen Staatsforsten – wie jedes andere Unternehmen auch – wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen. Der Wald muß dabei nicht nur bleiben was er war, er muß auch werden, was kommende Generationen von ihm verlangen.

Anschließend gab Herr Bichlmaier das Wort an Herrn Arnold weiter. Dieser erläuterte auf sehr anschauliche Art und Weise die forstliche Bestandserhebung. Bei diesem Verfahren wird von einem Fixpunkt aus mittels modernster Technik wie GPS etc. Höhe, Umfang und Anzahl der Bäume innerhalb einer kreisförmigen Fläche gemessen und statistisch auf das gesamte Gebiet übertragen. Herr Arnold zeigte dies anhand einiger Beispiele auf, indem er die aktuellen Daten von bestimmten festgelegten Bäumen mit denen früherer Bestandserhebungen verglich.

Danach setzte Herr Bichlmaier die Waldführung fort und informierte darüber, daß die Wagensass ca. 500 ha groß ist, wovon rd. 450 ha Staatswald sind. Aufgrund der Jahrhunderte langen starken Nutzung verarmten ihre Flora und Fauna. Heute entwickelt sich der ehemals monotone Kiefern-Fichten-Nadelwald als Ergebnis der Arbeit mehrerer Förstergenerationen wieder zu einem arten- und abwechslungsreichen Nadel- u. Laubmischwald. Mindestens 26 verschiedene Baumarten sind mittlerweile dort zu finden. Bedingt durch einige Fragen aus dem Kreis der Zuhörer ging Herr Bichlmaier auf den Wegebau ein. Die gewölbte Anlage der Wege sei notwendig, damit rechts und links das Wasser besser ablaufen könne. Dies erschwere zwar das Nebeneinanderlaufen, sei aber die bessere Alternative zu vollkommen ebenen Wegen, da auf diesen das Wasser nicht ablaufen könne, was u. a. zur Pfützenbildung führe. Bei neu angelegten oder verfüllten Wegen müsse sich das grobe Untermaterial erst setzen, bevor die kleineren und feineren Steine des Obermaterials aufgetragen werden können. Es kann auch durchaus zu Lieferengpässen bei den Steinbrüchen kommen, weshalb sich die Fertigstellung der Wege oft verzögere. Nichtsdestotrotz seien die Forstwege in der Oberen Wagensass im Vergleich zu anderen Waldflächen sehr gepflegt, was deren große Nutzung durch die erholungssuchende Bevölkerung auch zeige.

Als nächstes Thema stand der Umgang mit Totholz an. Vor allem Pilzsucher würden oft über liegengelassene und  verrottende  Baumstämme schimpfen. Herr Bichlmaier führte aus, daß man diese Stämme nicht vergessen habe, sondern sie bewußt liegen ließ, da sie ein wertvolles Biotop darstellen. Holzwohnende Insekten wie Wespen, Bienen, Ameisen und Käfer benötigen unbehandeltes totes Holz für ihre Ernährung und Fortpflanzung. Durch dieses große Nahrungsangebot an Insekten stellen sich z. B. Waldkauz, Schwarzspecht, Siebenschläfer und verschiedene Fledermausarten ein. Vögel und Säugetiere nutzen die vom Specht gezimmerten Baumhöhlen zur Aufzucht ihrer Jungen oder zum Überwintern. Horst- und Höhlenbäume sind in ihrer Eigenschaft als sog. Biotopbäume grundsätzlich als Lebensstätten gesetzlich geschützt. Anhand einer im Absterben begriffenen Fichte zeigte Herr Bichlmaier sehr eindrucksvoll wie sich in ihrem Stamm bereits Hornissen eingenistet haben.

Am Sitzensemble des großen, geteilten Waldweihers erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, daß die Weiher angelegt wurden, weil sich die Bodenstruktur hierfür besonders geeignet habe. Es gab diese Waldweiher auch bereits in früheren Jahrhunderten, wobei sie den jeweiligen Herrschern für die Versorgung mit frischem Fisch dienten. Bei den neu angelegten Teichen wurde bewußt darauf verzichtet, Fische einzusetzen, da man den Bestand an Amphibien nicht gefährden wollte. Dies ließ sich jedoch nicht ganz verhindern, da oft Fischeier durch natürliche Übertragung in das Wasser gelangt sind. Außerdem gab es Zeitgenossen, die ihre überflüssig gewordenen Goldfische in die Waldweiher „entsorgt“ haben. Dies hatte zur Folge, daß die ausgesetzten Fische sich vom Laich der Amphibien ernährten. Herr Bichlmaier wies des Weiteren daraufhin, daß der Waldboden ein idealer Wasserspeicher sei. Bodenorganismen und intensive Durchwurzelung bilden eine optimale Bodenstruktur. Die vielen Wurzeln ergeben im Boden ein System aus wasserleitenden Kanälen, ein perfekter Wasserspeicher. 1 Hektar Wald speichert bis zu 1 Mio. Liter Wasser. Der Wald leistet damit auch einen großen Beitrag zum Hochwasserschutz.

Historisch interessant ist, daß einst die „Goldene Straße“, der im Mittelalter bedeutsame Handelsweg zwischen Nürnberg und Prag, durch die Wagensass führte. Für geübte Augen sind deren Spuren als Hohlwege in den nördlichen Teilen noch zu erkennen.

Am Ende der ca. 2 ½ – stündigen, Exkursion bedankte sich Herr Bichlmaier für die Aufmerksamkeit und das große Interesse und verteilte kleine Geschenke in Form von Mützen, Bleistiften und Informationsbroschüren. Im Namen der Zuhörer bedankte sich Herr Koch bei Herrn Bichlmaier für die aufschlußreiche und sehr interessante Führung durch das „Sportgelände“ des TV-Lauftreffs. Man sehe nun manche Dinge anders als vorher. Außerdem sei der TV-Lauftreff froh, daß zwischen ihm als „Gast“ und dem Forstbetrieb Schnaittenbach als „Hausherrn“ ein so gutes Verhältnis herrsche. Herr Bichlmaier erwiderte darauf, daß der Mensch immer nur Gast in der Natur sei. Der Forstbetrieb Schnaittenbach sei immer gern bereit, solche Führungen durchzuführen.

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